Der Corazòn

Bergreise Ecuador

 

 

Der Indiomarkt und ein langer Grat

 

Nachdem die Überschreitung der beiden Pichincha Gipfel geglückt war und wir uns in den heißen Quellen von Papallacta erholt hatten, fuhren wir am nächsten Tag nach Otavalo, welches im Hochland nördlich von Quito gelegen ist.

 

 

Diese Kleinstadt, mit ca. 50.000 Einwohnern, liegt in der Provinz Imbabura und ein Großteil der Bevölkerung besteht aus Indios.

Zudem ist die Stadt für ihren weltberühmten Handwerkermarkt bekannt, welcher der Größte in ganz Südamerika sein soll und der der Stadt, zusammen mit dem Webereigewerbe, zu einigem Wohlstand verholfen hat.

 

Auf der Fahrt in Richtung Otavalo machten wir nördlich von Quito beim "echten Äquatordenkmal" halt, welches sich auf einem Hügel namens Catequilla befindet und hörten uns dort einen kurzen Vortrag eines einheimischen Touristenführers an.

Es gibt noch ein weiteres Äquatormonument, welches sich "La Mitad del Mundo" (Die Mitte der Welt) schimpft.

Es wurde jedoch festgestellt, dass dieses Monument rund 240 Meter vom nullten Breitengrad entfernt liegt und somit lediglich ein reiner Touristenmagnet ist.

 

Als wir gegen Mittag schließlich in der Stadt ankamen und unser Hotel aufsuchten, war ich sofort von belebten Straßen, die einem organisierten Chaos glichen, und den farbenprächtigen Bauten aus der Kolonialzeit beeindruckt.

 

Nachdem wir eingecheckt hatten, gingen wir in die Stadt und aßen dort zu Mittag.

 

Das Essen in den ecuadorianischen Restaurants war fast durchweg, bis auf eine Ausnahme, sehr gut und man bekommt für vergleichsweise wenig Geld viel geboten.

 

So kann man zum Beispiel für ca. 8 oder 9 Dollar ein 400g argentinisches Rindersteak samt landestypischen Beilagen bestellen.

Ebenfalls sind die meist frisch gepressten Fruchtsäfte zu empfehlen, hier gibt es eine Vielfalt die kaum zu beschreiben ist. (am Besten man erlebt es selbst)

 

Gut gestärkt besuchten wir anschließend den Handwerkermarkt auf der Plaza de Ponchos, welcher jeden Tag im Stadtzentrum, von morgens bis nachmittags, stattfindet.

Wir wählten für den Marktbesuch extra einen Samstag, da der Markt an diesem Tag um einiges größer und umtriebiger ist.

 

Gemütlich schlenderten wir über die Plaza und durch kleine Seitenstraßen, wo Hunderte von Verkäufern allerhand Waren feilboten, angefangen von Ponchos aus Alpakawolle, über Muschelschalenschmuck und gebratene Bananen bis hin zu Coca Blättern. Natürlich deckten wir uns sofort mit ein paar Packungen Coca Blättern ein, woraus wir später einen leckeren Tee kochten.

Schließlich erzählt man sich, dass dieser Tee bei der Akklimatisation helfe.

 

Während des gesamten Marktbesuches waren die Verkäufer, welche überwiegend Indios waren, immer sehr freundlich und nie aufdringlich, wie man es vielleicht von so manchem arabischen Straßenhändler in Madrid kennt.

 

Nach zwei Stunden hatten wir dann doch genug vom "Rummel" und statteten noch dem Parque Bolivar einen Besuch ab.

Dort befand sich neben dem Rathaus  auch ein Denkmal des Inka-Generals "Rumiñahui".

Anschließend kehrten wir in unser Hotel zurück und brachen am nächsten Morgen zu einer Rundwanderung an der Laguna Cuicocha (Meerschweinchensee) auf.


Bei der Laguna handelt es sich um einen gut 200m tiefen Kratersee am Fuße des Vulkans  Cotacachi, welchen man auf einer Höhe von über 3000 Metern umrunden kann.


Zunächst fuhren wir mit einem Geländewagen an den Fuß des Sees zu einem Restaurant, parkten dort den Wagen und machten uns zu Fuß auf den gut ausgewiesen Weg.

 

Der Pfad stieg zunächst stetig leicht an und führte in einem weiten Linksbogen auf die andere Seite des Kratersees.

 

Hier hatten wir die ganze Zeit über einen hervorragenden Ausblick auf die beiden Inseln im See und die vielfältige Vegetation am Wegesrand.

Regelmäßig musste ich stehen bleiben, um die, mir völlig unbekannten, Blumen, Sträucher und Kakteen zu begutachten.

Das einzig Störende hierbei waren die gelegentlichen Attacken ganzer Stechmückenschwärme.

Diese Plagegeister scheint es wohl überall auf der Welt zu geben!!!

 

Als wir uns schließlich dem höchsten Punkt der Tour näherten, führte der Weg des Öfteren weg vom Kraterrand, sodass man den See nicht mehr sah. Dies war jedoch nicht weiter tragisch, da es an diesem Tag wieder einmal bewölkt war und wir diesen, höher gelegenen Abschnitt der Tour ausschließlich in der "Nebelsuppe" absolvierten.

Gelegentlich hatten wir jedoch einen tollen Tiefblick von einem der Aussichtspunkte, die sich vereinzelt am Wegesrand befanden.

 

Der Weg führte uns ab der Hälfte, mit einigen Gegenanstiegen, über kleine Brücken und durch dichte Baumvegetation, sodass eine Art "Urwaldatmosphäre" aufkam.

 

Nach rund drei Vierteln der Tour, kamen wir dann wieder auf eine asphaltierte Landstraße, auf welcher wir zurück zu unserem Ausgangspunkt liefen.

 

Durch 4 ½ Stunden "hoch und runter" waren wir dementsprechend hungrig und aßen in dem Restaurant am See zu Mittag.

Wie ich feststellte boten die Speisekarten der Restaurants in Ecuador allesamt eine gute Auswahl an Gerichten, jedoch lief es bei der Essensauswahl meistens immer auf dieselbe Frage hinaus: Rind? Huhn ? oder Fisch?.


Am nächsten Tag verlegten wir unser Quartier von Otavalo zu einer malerischen Hazienda oberhalb des Dorfes "El Chaupi", von wo aus wir einen grandiosen Blick auf die Illiniza Gipfel genossen, wenn sie nicht gerade von Wolken verdeckt waren.

 

Die Hazienda gefiel mir von Anfang an sehr gut, da es dort ein Haupthaus mit offenem Kamin gab und die Gastwirtin, als auch ihre Angestellte sehr zuvorkommend und herzlich waren.

 

Zudem gab es dort jede Menge an tierischen Begleitern, wie Hundewelpen, Schafe und sogar ein Alpaka.

 


Der Weg zum Corazòn

Früh am nächsten Morgen fuhren wir zum Ausgangspunkt der Corazòn Besteigung, einer kleinen Hütte mit Gatter.

Für dieses Gatter benötigt man einen Schlüssel, über welchen wir nicht verfügten und da wir vor Ort niemanden, bis auf ein Paar Esel und Hunde, antrafen, wurde dies der neue Startpunkt unserer Tour.

 

Zunächst wanderten wir durch die typische Graslandschaft, gut 2 Stunden, gemächlich aufwärts, bis die Vegetation steiniger wurde und wir einen windigen Sattel erreichten.

Größtenteils war der Anstieg weglos, aber da wir unseren Guide Jaime dabei hatten, gab es keine Probleme bei der Orientierung.

 

Am Sattel entschieden sich mein Onkel und meine Tante umzudrehen und am Ausgangspunkt auf uns zu warten und so kam es, dass Jaime und ich die Sache allein angingen.

Wir stiegen über einen steilen Geröllhang hoch auf den Gipfelgrat und folgten diesem aufwärts.

 

Das Gelände war nicht wirklich schwer und wir gingen überwiegend seilfrei, da der Grat nicht sehr ausgesetzt war und im unteren Teil kaum Kletterstellen aufwies.

 

So ging es nun zügig voran und als schließlich die ersten Kletterstellen (1er Stellen UIAA) auftauchten, entschied Jaime, dass wir am kurzen Seil weiter gehen.

So meisterte ich auch diese leichten Kletterstellen und wir erreichten den Gipfel des Corazòn im dichten Nebel, mal wieder.

 

Nach den Liegestütz und dem Gipfelfoto, machten wir uns wieder an den Abstieg, da es zunehmend windiger und damit auch kälter wurde.

 

Gipfelgrat des Corazòn

Der Abstieg verlangte nochmals meine volle Konzentration, da der Fels überwiegend brüchig war, was bei Vulkangestein häufig der Fall ist.

 

So erreichten Jaime und ich dann nach ca. 2 Stunden die kleine Hütte am Gatter und trafen dort auf meinen Onkel, sowie meine Tante, die zwischenzeitlich ganz schön durchgefroren waren.

 

Anschließend fuhren wir wieder zur Hazienda und wärmten uns bei einem reichhaltigen Abendessen vor dem Kaminfeuer wieder auf.

 

Was mir von diesem Tag besonders im Gedächtnis blieb, war der kleine Hund, der uns vom Beginn der Tour am Gatter bis zum Anfang des Grates, begleitet hatte und dabei, auf einer Höhe von über 4000 Metern, noch vergnügt im hüfthohen Gras auf Beutezug ging.

Unglaublich diese Ausdauer!!!!

Verglichen dazu kam ich mir vor, wie ein alter keuchender Sack, aber wenigstens war ich nun ausreichend vorbereitet für meinen ersten 5000er.

 

Der Illiniza Norte war das Ziel und ich war gespannt darauf mit ihm Bekanntschaft zu machen.

 

 

Fortsetzung im Teil Illiniza Norte


(Bericht geschrieben von Lukas)