Der Pasochoa

 

Bergreise Ecuador

 

 

Anreise und ein Vulkan im Nebel

 

Im November 2014 war es soweit, meine erste "Bergreise" stand an und ich war gespannt darauf, dass erste Mal in meinem Leben Vulkane zu besteigen.

 

Nachdem mein Onkel mich zuvor gefragt hatte, was ich davon halten würde auf den höchsten Berg der Welt zu steigen, sagte ich ihm nur, dass ich vermutlich nicht das nötige Kleingeld dafür hätte, ohne vorher eine Bank zu überfallen.

 

Schließlich muss man für den Everest einen guten fünfstelligen Betrag aufwenden.

 

Als mein Onkel mir dann vom Chimborazo in Ecuador erzählte, brauchte es keine Minute und ich war von seiner Idee begeistert.

 

Wie mein Onkel mich aufklärte, handelt es sich bei dem inaktiven Vulkan Chimborazo, mit seinen 6310 Metern über Meereshöhe, tatsächlich um die höchste Erhebung der Erde, wenn man vom Erdmittelpunkt ausgeht, denn der Berg liegt in direkter Nähe zum Äquator.

 

Nach einiger Planung und Vorbereitung flogen mein Onkel, meine Tante und ich dann schließlich von Nürnberg aus, mit einem Zwischenstopp, nach Quito, der Hauptstadt Ecuadors.

 

Da es sich um unsere erste Reise in diesem Umfang handelte, stellten wir uns zuvor ein Programm zusammen und buchten für die Touren einen einheimischen Guide, was sich im Nachhinein als sehr lohnenswert erwies.

 


Panoramablick auf Quito

Nach unserer Ankunft am Flughafen in Quito wurden wir von unserem Guide Jaime und seiner, aus Österreich stammenden, Freundin Elisabeth in Empfang genommen und herzlichst begrüßt.

 

 

Bereits auf der Fahrt zu unserem Hotel war ich von der flächenmäßigen Größe und emsigen Betriebsamkeit dieser Stadt beeindruckt, ganz abgesehen davon, dass der Straßenverkehr in Ecuador ein Erlebnis der ganz besonderen Art ist, welches einem durchaus den Schweiß auf die Stirn treiben kann.

 

Trotzdem kamen wir wohlbehalten in unserem Hotel an und ich ging gleich nach dem Abendessen zu Bett, da für den nächsten Tag ein Ausflug zu diversen Sehenswürdigkeiten der Stadt geplant war.

 

Bereits in dieser ersten Nacht spürte ich die Auswirkungen der großen Höhe, denn immerhin lag unser Hotel auf rund 2800 Metern Höhe.


Am nächsten Tag besichtigten wir den Stadtkern von Quito, wo sich unter anderem viele Kirchen und Bauten aus der Kolonialzeit befinden.

 

Beeindruckend fanden wir hierbei insbesondere die Plaza de la Independencia, kurz Plaza Grande genannt, welche den Mittelpunkt des historischen Zentrums bildet.

Der parkähnliche, sehr belebte Platz ist umgeben von der Kathedrale, dem Rathaus, dem Bischofspalast und dem Regierungsgebäude, welche allesamt schöne Fotomotive abgaben.

 

Unser Abstecher zur Jesuitenkirche "La Compañia" lohnte sich ebenfalls, da sie von Innen komplett vergoldet ist und prachtvolle Verzierungen aufweist.

 

Vor dem Betreten der jeweiligen Sehenswürdigkeiten mussten wir meist einen kleinen Obolus entrichten, der allerdings nicht wirklich ins Gewicht fiel und zudem eine wichtige Einnahmequelle für die Einheimischen darstellt.

 

Am Ende des Tages fuhren wir noch hinauf auf den Aussichtshügel "Panecillo", auf welchem eine Statue der Schutzpatronin "La Virgen de Quito“ thront und von dem aus wir einen tollen Panoramablick auf die Stadt hatten.

 

Anschließend ging es zum Abendessen und zurück ins Hotel.


Am nächsten Tag stand dann unser erster Gipfel, zwecks Akklimatisation, auf dem Programm.

Hierfür hatten wir den rund 4200 Meter hohen Pasochoa gewählt, da dieser relativ leicht zu besteigen und nicht weit von Quito gelegen ist.

 

Von Quito aus fuhren wir zunächst auf der "Straße der Vulkane“ in südliche Richtung und nahmen dann eine Abzweigung Richtung Osten zum Pasochoa.

 

Die sog. "Straße der Vulkane“ macht ihrem Namen alle Ehre, denn hier reiht sich wirklich ein Vulkan an den Anderen.

 

Wir fuhren mit einem Geländewagen zunächst auf recht guten Straßen, später dann auf immer schlechteren Feldwegen bergauf bis auf eine Höhe von ca. 3600 Meter.

 

Aufstieg zum Pasochoa

Vor einer kleinen Stallung einer Farm parkten wir und machten uns zu Fuß auf den Weiterweg.

Das Wetter an diesem Tag war nicht schlecht, lediglich sehr bewölkt, was allerdings den Vorteil hatte, dass wir sehr angenehme Temperaturen für den Aufstieg hatten.

 

Der Weg zum Gipfel war nicht wirklich schwer und im unteren Teil verlief er meist auf Feldwegen und später auf ausgetretenen Pfaden, im Teils hüfthohen sog. Paramogras.

 

Wir liefen durch eine großartige hochgelegene Graslandschaft, mit nur vereinzelter Baumvegetation im oberen Teil, wobei die Querung eines ausgetrockneten Flussbetts, die einzige Besonderheit darstellte.

Trotzdem begeisterte mich diese Landschaft, sobald die Wolkendecke sich einmal öffnete und einen Blick zu ließ.

 

Gipfel des Pasochoa

Die letzten 100 Höhenmeter zum Gipfel waren dann noch einmal etwas interessanter, da es dort felsig wurde und wir, nach einem steilen Hang, einen ausgesetzten aber gut gangbaren Grat zum Gipfel überwinden mussten.

 

Meine Tante zögerte an dieser Stelle zunächst etwas, aber da die Wolken den ausgesetzten Tiefblick verwehrten, wagte sie schließlich auch den Übergang und wurde mit ihrem ersten 4000er belohnt.

 

Auf dem Gipfel machten wir erst einmal Brotzeit und unser Guide Jaime und ich begannen mit einer "Liegestützchallenge", welche unentschieden endete. 

Jedoch nahmen wir uns vor, von diesem Moment an auf jedem Gipfel 10 Liegestütz zu absolvieren.

 

Leider war es stark bewölkt und wir konnten weder Quito, noch den zweithöchsten Berg Ecuadors, den Cotopaxi sehen.

 

Zusätzlich begann es noch leicht zu nieseln, weshalb wir uns zügig auf den Rückweg machten und nach ca. 2 ½ Stunden Aufstieg, sowie 1 ½ Stunden Abstieg wieder unseren Ausgangspunkt erreichten.

 

Damit hatte ich meinen ersten Vulkan und bis dahin höchsten Gipfel bestiegen, weshalb ich glücklich und zufrieden ins Hotel zurückkehrte.

 

 

Fortsetzung im Teil Pichincha


(Bericht geschrieben von Lukas)