Rucu Pichincha

Bergreise Ecuador

 

 

Die große Überschreitung

 

An diesem Tag hatten wir eine Überschreitung des Pichincha-Massivs mit seinen zwei Gipfeln, dem Guagua Pichincha (Junger) und dem Rucu Pichincha (Alter) geplant.

Der Rucu Pichincha ist praktisch der Hausberg von Quito, da er in unmittelbarer Nähe liegt und mittels einer Seilbahn, der "TeleferiQo" relativ gut zu besteigen ist.

 

Gerade deshalb wollte ich die Überschreitung angehen, weil diese im Vergleich zum Normalanstieg des Rucu Pichincha doch um einiges weniger begangen wird, da sie auf der Westseite des Massivs am Refugio Volcán (Schutzhütte) startet.


Früh morgens holte mich mein Guide Jaime am Hotel in Quito ab und wir fuhren zum Refugio, um dort zu frühstücken und die Tour zu starten.

Man kann bis unmittelbar zur Schutzhütte selbst, auf rund 4500 Meter, hoch fahren, allerdings überwiegend auf Feldwegen, die bei Nässe sehr schlammig werden.

 

Da meine Tante sich beim Begehen von Graten nicht so wohl fühlt, entschied sie sich zusammen mit meinem Onkel, von Quito aus mit der Seilbahn zur Bergstation der "TeleferiQo" zu fahren und von dort den Rucu Pichincha anzugehen.

 

Wir wollten uns dann später wieder an der Bergstation treffen und gemeinsam die Seilbahn zurück nach Quito nehmen.

 

Am Refugio angekommen, tranken Jaime und ich noch ein wenig Tee und schmierten uns einige Sandwiches als Marschverpflegung.

 

Beim Refugio selbst muss man sagen, dass dieses in keinem Falle mit einer Schutzhütte in den heimischen Alpen zu vergleichen ist.

Es handelte sich bei dem Refugio um ein einfaches Steinhaus, ohne Heizmöglichkeit und inklusive Plumpsklo.

Allerdings stehen dort Stockbetten aus Stahl mit einfachen, abgenutzten Matratzen.

 

Refugio Volcán

Wie auch immer, ich war ja auch nicht gekommen, um hier zu übernachten und so marschierte ich mit Jaime gegen 9 Uhr los.

Zunächst führte uns der Weg über einen Schotterhang hoch zu einem breiten Grat, wo sich ein Aussichtspunkt mit einem Kreuz, dem sog. "Mirador de la Virgen del Cinto", befand.

 

Diesem Grat folgten wir weiter aufwärts in östliche Richtung, wobei die Wolkenschwaden gelegentlich einen Blick auf den noch aktiven Krater des Guagua Pichincha freigaben.

 

Die aufsteigenden Rauchschwaden und der Gedanke daran sich in unmittelbarer Nähe eines aktiven Vulkans zu befinden, beeindruckten mich stark, was meine Freude an der Tour aber keinesfalls trübte.

 

Abstieg vom Guagua Pichincha

Zügig ging es nun den Grat entlang zum Gipfel des Guagua Pichincha, den wir nach guten 200 hm und einer leichten Klettereinlage erreichten.

 

Nach einem Gipfelfoto ging es dann auch gleich weiter, zunächst auf losen Sand- und Schotterhängen abwärts, dann wieder leicht aufsteigend.

 

Die Landschaft wirkte zum Teil schon fast trostlos auf mich da, die Vegetation, zum Anfang der Tour, eher karg war und fast schon wie eine Mondlandschaft anmutete.

 

So ging es nun, die nächstes Stunden, an mäßig steilen Hängen über Gras und Vulkangestein auf und ab, ohne wirklich markante Höhenunterschiede.

 

Wir folgten dabei meistens einem ausgetretenen Pfad, kamen aber auch an mehrere Stellen, wo das Gelände weglos war, weshalb ich froh war Jaime dabei zu haben, denn die Orientierung bei schlechter Sicht kann hier schnell schwierig werden.

 

So genossen wir unseren Marsch durch die menschenleere Landschaft und konnten immer wieder Tiefblicke in die kleinen grasbedeckten Seitentäler erhaschen.

 

Während der gesamten Tour, bis zum Felsaufbau des Rucu Pichincha, trafen wir keine andere Menschenseele, was mir durchaus gut gefiel.

 

Schließlich stiegen wir über einen sehr steilen, losen Sandhang hoch zu einem kleinen Couloir, wo wir dann auf die ersten Bergsteiger und den Normalweg des Rucu Pichincha Anstiegs stießen.

 

Nun waren es noch etwa 15 min. Kraxelei über leichtes Blockgelände (I-II Stellen) bis wir dann endlich am Gipfel standen.

Leider wurde zu diesem Zeitpunkt das Wetter immer schlechter, so dass Jaime und ich unsere obligatorischen Liegestütz im leichten Schneefall absolvierten.

Abstieg Rucu Pichincha

 

Nach kurzer Gipfelrast machten wir uns umgehend an den Abstieg, der, bis auf zwei leichte Kletterstellen, keine großen Schwierigkeiten mehr aufwies.

 

Am Nachmittag trafen wir dann an der Bergstation meinen Onkel und meine Tante wieder, genehmigten uns ein Bier und fuhren mit der Seilbahn zurück ins Tal.

 

Unten angekommen, machte unser Guide noch den Vorschlag zu den heißen Quellen in Papallacta zu fahren, was wir uns natürlich nicht zweimal sagen ließen.

 

Die gut 2 ½ stündige Fahrt führte über einen fast 4000 Meter hohen Pass und Straßen, die bei dem immer stärker werdenden Regen zu einem echten Erlebnis wurden.

 

Der Besuch der Therme war aber umso lohnenswerter, denn die Anlage ist praktisch direkt auf den heißen Quellen gebaut und befindet sich auf einer Höhe von knapp 3500 Metern.

Ich meine wo hat man so etwas schon mal, dass man, umgeben von Bergen, in mitten von heißen Quellen badet und dabei eine Art "Urwaldatmosphäre" verspürt.

 

Nachdem wir dann alle gut durchgekocht  waren und uns erholt hatten, fuhren wir gemeinsam zurück zu unserem Hotel in Quito und ich fiel praktisch leblos ins Bett.

 

 

Fortsetzung im Teil Corazòn


(Bericht geschrieben von Lukas)